Bioetherische Botschaften


Kurzgeschichten  € 6,50 *inkl. MwSt.
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Klappentext des Buches

Wie sich die Geschichte mit Schneewittchen wirklich zugetragen hat. Warum eine junge Wissenschaftlerin auf einem fernen Planeten ihr Raumschiff verpasst. Eine Trennung, die nicht gelingt. Die Vermählung mit einer Kobra. Sechs Kurzgeschichten, die alle nicht von dieser Welt zu sein scheinen, kunstvoll illustriert.

Books on Demand
ISBN 978-3-8391-3287-6, Paperback, 52 Seiten
 

 

Die letzte Kurzgeschichte, hier in überarbeiteter Version!

 

Verirrt!

 

Es war am 07.01.09, ein Mittwoch, das weiß ich ganz genau. Bernd, mein Lebensgefährte hätte eigentlich schon seit Montag zur Arbeit gemusst, aber bei zwanzig Zentimetern Schnee, und bis zu 15 Grad unter Null konnte man auf der Baustelle nicht arbeiten. Bernd ist Maurer. Meine Kinder Sonja, 16 und Christian, 14 hatten den ersten Schultag nach den Ferien. Nachdem ich ihre Schulbrote gemacht hatte, und sie das Haus pünktlich verlassen hatten, legte ich mich wieder zu Bernd ins Bett. Ankuscheln? Noch ein bisschen schlafen, um zusammen wach zu werden? Aber nicht fest schlafen, sonst würde er mir wie stets entwischen. Ich bin dann auch nur kurz und traumlos eingedöst und alsbald war ich wieder wach und betrachtete meinen Lebenspartner.

 

Es war eine Lebenspartnerin.

 

Verwundert war ich nur über ihre Schönheit. Sie hatte rotblondes, langes Haar, war zart gebaut und sie trug eine Brille. Sie sah einer Sängerin ähnlich, die ich vor kurzem im Fernsehen gesehen hatte. Stefanie Heinzmann. Ich zog sie in meine Arme. Da fragte sie: „Bist Du eine Sibylle?“

 

Nein.

 

 In der Sibyllenhöhle, einem großen Loch im Felsen der Teck, hauste vor vielen vielen Jahren die Sibylle in einem unterirdischen Schloss. Sie war eine schöne kluge Frau und tat den Menschen im Tale nur Gutes an. Sibylle hatte drei Söhne - Unhold, Raufbold und Saufbold. Sie waren aber von Grund auf böse, wollten nicht bei ihrer Mutter bleiben und bauen sich ihre eigenen Burgen hoch über dem Lenninger Tal. Rauber, Diepoldsburg und Wielandsteine wurden ihre Behausungen, von wo aus sie die Menschen im Tal immerzu ausraubten und quälten. Aus Gram und Verzweiflung über ihre missratenen Söhne beschloss Sibylle ihr Schloss zu verlassen, spannte riesige Katzen vor einen Wagen und fuhr eines Abends talabwärts durch die Lüfte und wurde nie wieder gesehen. Noch heute kann man den Weg, den Sibylle mit ihrem Wagen genommen hatte, in bestimmten Jahreszeiten gut erkennen. Er wird „Sibyllenspur“ genannt, auf dieser Spur ist das Gras früher grün und das Korn trägt größere Ähren und Äpfel, Birnen und Kirschen sind saftiger und süßer.

 

Was hatte sie gemeint? Eine Sibylle ist also eine hellsichtige Frau, die in einer Höhle alleine lebt. Aber statt dessen drängt sich mir das Bild einer Spinne auf, die gefangen im Netz ihrer Exzentrik wartet, das ein Wesen sich bei ihr verfängt, oder zu ihr hinstolpert, nicht mehr entkommen kann, um ihre Einsamkeit für immer zu beenden. Eine Künstlerin, fähig wunderbare Bilder, Schriften, Tänze zu erschaffen, andere zu fassen und zu fesseln, aber unfähig andere zu suchen, zu finden, auf sie zuzugehen. Eine Egoistin! War ich also eine Egoistin?

 

Ja.

 

Ich stand auf und sah mich um. Ich befand mich in einer Gemeinschaft von mir unbekannten Menschen, in einem Sanatorium vielleicht, oder in einer Klinik. Das fand ich angenehm. Nur dass die Schöne zu mir sagte: „Schau, jetzt bist Du ja schon viel ruhiger“, das irritierte mich. Was hatte ich getan? War ich in unheilvolle Raserei geraten, hatte jemanden verletzt, getötet sogar?

 

Ich konnte mich an nichts erinnern.

 

An gar nichts. Als ich hier hinkam war ich also nicht ruhig gewesen! Es war wohl besser nicht zu wissen warum ich herkam und von woher. Aber bevor ich den Gedanken weiter verfolgen konnte, betrat eine Gruppe fremder Menschen den Raum. Eine Delegation von Fachleuten, die uns mit Fragen konfrontieren würden?

 

Die uns, schlimmer noch, mit Antworten konfrontieren würden?

 

Ein Raunen ging um. „Das sind die Verwandten.“ Forschend betrachtete ich die Besucher. Dann Erleichterung. Kein Verwandter von mir war da. Hier konnte mich keiner finden! Also ging ich zum Fenster und schaute hinaus. Auf der anderen Straßenseite erblickte ich ein Haus, das mir bekannt vorkam. Ein Eckhaus, denn dort gabelte sich die Straße. Auf dieser Straße bin ich doch schon des Öfteren gewesen. Dieses Eckhaus, es ist doch eine vertraute Wegmarke. Es ist ein Gasthaus, ein renommiertes Hotel! Ich lehnte mich weit zum Fenster raus, um den Namen zu entziffern. Auf einmal wollte ich nun doch wissen wo ich war und wo ich hin musste!

 

Ich konnte es fast erkennen, ich musste mich mehr anstrengen, musste mich besser konzentrieren!

Ich lehnte mich noch ein Stückchen weiter raus –

 

und fiel zurück – hier bin ich wieder!

 

 

Noch eine Leseprobe

D

er siebente Zwerg

17. Jahrhundert, Sachsen, Erzgebirge

 

Prosit Fremder, Ihr habt mich gefragt: " Wo kommst Du her? Gibt es dort noch mehr wie Dich?"

Ich hab geantwortet: "Spendier' mir ein Mahl, und ich wird’s Euch erzählen."

"Wir sind derer sieben, meine Kameraden und ich. Wir wohnen in einem Haus im Dunkelwald, nahe bei Frohnau. Nein, kein Haus in Wirklichkeit, eher eine kleine Hütte, mit kleinen Bänken und kleinen Tischen und kleinen Bettstätten. Ja, auch meine Kameraden sehen aus wie ich, weißes Greisenhaar, und dicke Wollfilzjacken mit steifen spitzen Kapuzen. Wir sind Bergleute, wir schürfen nach Erz und Silber und Edelsteinen.

Ein schöner Beruf? Ja, das sagte mein Vater zur Mutter, als er mir befahl mein Bündel zu schnüren. Es sei Zeit, mich an die Arbeit zu gewöhnen. Die Mutter weinte, als sie mich zum Abschied segnete. Doch es war das Beste so, sie leidet am meisten Hunger, verzichtet sie doch zu unseren Gunsten sich satt zu essen. Und dabei trug sie schon wieder ein Kind. Es war Gottes Wille. Aber ach, wie ich sie vermisse, ich denke immer an sie, wenn ich im Berg bin, im tiefen, kalten, dunklen Schacht!

Der Schacht. Vor Sonnenaufgang werden wir hingetrieben. Wir wollen nicht, aber wenn wir uns weigern gibt es die Knute. Du willst nicht? heißt es dann. Dir fehlt etwas Antrieb! Ja es gibt Schläge statt Brot, bis der Hunger uns treibt!

Wir schieben uns seitwärts in den engen Schacht hinunter, zum Stolln, auf einem Brett über das Geröll. Am Fuß haben wir ein zweites Brett befestigt, für die Kiepe. Erst wenn sie randvoll ist  dürfen wir wieder zurück. Zu Anfang schafften wir es vor Sonnenuntergang, wir haben uns beeilt, denn war man vor den Anderen fertig, konnte man in der Sonne ruhen, es ruht sich gut in der Sonne, nicht war? Aber jetzt ist der Stolln so tief im Berg, und der Rückweg ist so beschwerlich mit der beladenen Kiepe, man kann froh sein, man schafft es überhaupt zurück. Denn so mancher wird tot herausgebracht. Einer kam nie mehr. Verschüttet! Wir hören seinen Geist, er flüstert und seufzt, er jammert und kreischt. "Lasst mich nicht allein. Holt mich raus." Er ist so alleine da drunten!

Wir bekommen eine Kerze die Woche und ein Talglicht pro Tag. Wir hauen den Stein im Liegen oder im Hocken und schieben uns im Finsteren zurück, weil wir das Licht zurücklassen. Als Trost für den Geist. Das sind Stunden im Dunkel, die dauern und dauern, raus hier, nur raus!  Haben wir es geschafft, ist die Sonne schon untergegangen.

Geschlossen wandern wir zur Hütte. Wir sind so müde, aber wir wehren uns gegen den Schlaf. Weil auf den Schlaf das Erwachen folgt, das schlimme Erwachen. Wir weinen uns den Staub aus den Augen, dann zünden wir die Kerze an. Dann kriechen wir in die Kammer unter dem Boden, die wir für SIE gegraben haben. Dann schauen wir SIE an. SIE ist so schön. Schwarzes, langes, weiches Haar! Lippen rot wie Blut! Schneeweiße Zähne! Groß und gerade gewachsen.  SIE kam zu uns auf der Flucht vor ihrem Vater, der sie befleckte. Und vor der Eifersucht der Mutter. Wir verstecken SIE vor ihnen und tun alles für SIE. Die jüngeren von uns schmiegen sich an sie, nennen sie Mutter. Doch ich bin schon zu alt für solche Mätzchen!

Ich bin  besorgt um sie, ihre Haut ist so blass und fahl, die Augen so leer. Sie will nichts mehr essen und sitzt da wie tot. Deshalb bin ich aufgebrochen, um einen Arzt zu finden, der sich erbarmt ihr zu helfen - solange noch Leben in ihr ist.

Gnade mir Gott, was mir passiert wenn ich zurückkehre. Aber ich muss Hilfe holen, ich bin der älteste von uns. Aber nicht so alt, wie ihr glauben mögt, ich zähle dreizehn Lenze!"